Stellungnahme zum Fraktionswechsel von Tanja Bojani von der AfD zur Linken

Die Linksjugend Hannover distanziert sich von der Entscheidung, der osnabrücker Kreistagsfraktion der Linken, eine ehemalige AfD Abgeordnete in ihre Reihen aufzunehmen.

Am 03. September 2018 gab die ehemalige Kreistagsrätin der AfD, Tanja Bojani ihren Austritt aus der Fraktion bekannt und wechselte eine Woche später zur Fraktion der Linken. Dazu hält die Linksjugend Hannover folgendes Fest:

 

  1. Die AfD ist eine rassistische, neoliberale und faschistoide Partei. Sie ist das Fundament rechtsradikaler- und rechtsextremistischer Gruppen geworden und steht grundsätzlich für eine unsoziale, menschenfeindliche Politik, diese verbreitet sie durch Propaganda in den letzten Winkel des Landes. Die gesellschaftlichen Probleme hängen nur noch mit den Geflüchteten zusammen und das gesellschaftliche Klima wird vergiftet. Zu diesen Entwicklungen tragen alle AfD Mitglieder ihren Teil bei, sei es durch das bloße zahlen von Mitgliedsbeiträgen, das Engagement an Infoständen, in sozialen Netzwerken oder eben auch in Kreis- und Landtagen und im Bundestag.  Das bedeutet auch, dass die einzelnen politischen Vertreter*innen für die Propaganda und Hetze der AfD individuell verantwortlich sind.

    Andreas Maurer, Lars Büttner, Tanja Rojani

 

  1. Die Linke ist eine antifaschistische und antirassistische Partei. Eine Zusammenarbeit mit der AfD oder Einzelpersonen der AfD kann in keinster Weise akzeptiert werden und ist ein Verstoß gegen die Grundsätze dieser Partei.

 

  1. Trotzdem freut sich die Linksjugend über jede*n die*der sich für einen Austritt aus der AfD entscheidet und reicht allen Menschen, die wirklich aussteigen und sich für menschenfreundliche Politik für alle einsetzen möchten, gerne die Hand. Das gilt selbstverständlich auch für Tanja Bojani. Dennoch muss eine linke und emanzipatorische Partei immer vorsichtig sein und sollte gerade in solchen Fällen keine voreilige Entscheidung treffen. Unter Rücksichtnahme der Wähler*innen, der Landespartei und der gesamten Öffentlichkeit, hätte die Aufnahme in die Fraktion nicht zu diesem frühen Zeitpunkt und unter den gegebenen Bedingungen erfolgen dürfen.

 

  1. Ihrer Aufnahme in die Fraktion muss unter allen Umständen ein Eintritt in die Partei vorrausgehen. Bevor sie ein Teil der Fraktion sein kann, muss sie als aktives Mitglied zunächst erstmal Teil der Linken Basis sein. Die Mitgliedschaft in der AfD ist keine „Kleinigkeit“, die innerhalb von so kurzer Zeit vergessen werden sollte. Immerhin war und blieb sie Teil der Partei, während diverse Skandale zeigten, wie rechtsradikal sie tatsächlich ist. Warum haben diese sie nicht zum Austritt bewegt? Was sind ihre Schlüsse aus den Erfahrungen und inwiefern hat sie ihre Einstellung zu wichtigen Themen, wie Nationalismus, dem Umgang mit Geflüchteten oder der Erinnerungspolitik geändert?

 

Ihre inhaltliche Mitarbeit, in Kombination mit einer ausführlichen Reflexion der Ereignisse, beispielsweise in Form einer schriftlichen Stellungnahme, hätten sicher das Vertrauen in sie steigern können. Dann hätte sie vielleicht auch Teil der Fraktion werden können. Ein Prozess, um Vertrauen zu gewinnen, kann in so kurzer Zeit jedoch gar nicht stattfinden und deswegen war es grundsätzlich falsch, sie in die Fraktion aufzunehmen.

Wir empfehlen der Fraktion, die Entscheidung noch einmal sorgfältig zu überdenken. Bojani kann auch als fraktionslose Abgeordnete gute Arbeit leisten. Auf jeden Fall muss klar sein, dass Bojani sich erst noch das Vertrauen der Basis und der Wähler*innen erarbeiten muss und wir erwarten entsprechende Schritte ihrerseits.

 

Die Grünen und der Rechtsruck

Sind die Grünen das „links-liberale“ Erfolgsprojekt gegen die AfD oder doch nur Teil des Rechtsrucks?

Bei der Bundestagswahl 2017 bekamen die Grünen 8.9% der Stimmen und landeten damit knapp hinter der Linkspartei, die 9.2% der Wählerstimmen auf sich vereinen konnte. 1 Im Vergleich zur letzten Bundestagswahl 2013 gewannen sie 0.5 Prozentpunkte und konnten ihr Ergebnis damit halten.2  Aufgrund der massiven Verluste der SPD (-5%) verlor R2G die theoretische Mehrheit und die AfD zog mit 12.6% zum ersten mal in den Bundestag ein. Der Rechtsruck der letzten Jahre machte sich bemerkbar.  Fast ein Jahr später lässt sich keine Verbesserung der politischen Lage feststellen. Die AfD hat in der Wählergunst weiter zugenommen und steht nun bei ca. 16% und kommt der SPD näher, die immer weiter abgebaut hat und nun nur noch bei 18% steht. Die Linke bewegt sich nicht und steht unverändert bei 9%. Doch eine Partei könnte einen jetzt überraschen. Die Grünen sind seit der Bundestagswahl 2017 schwächste Kraft im Parlament. Das Ergebnis lag nur leicht über dem, für die Grünen enttäuschenden Ausgang von 2013, wo die Partei trotz monatelanger Höhenflüge nur 8.4% erreichte. Doch dieses mal wurde das Ergebnis beinahe schon euphorisch gefeiert, musste man in den Monaten zuvor bei den Wahlumfragen eine Enttäuschung nach der anderen verkraften. Und nun ist die Partei beinahe drittstärkste Kraft und kann den größten Zuwachs in Umfragewerten für sich verbuchen. Aus den 8.9% der Bundestagswahl wurden 15% in aktuellen Umfragen – nur ein Prozentpunkt hinter der AfD. Grund genug für das Onlinemagazin Telepolis, die Grünen zum „links-liberalen“ Erfolgsmodell gegen die AfD zu ernennen3. Doch wie viel steckt hinter der Stärke der Grünen und haben die Grünen überhaupt Antworten auf die drängenden Fragen?

Grüne Neustrukturierung

Nach der Bundestagswahl wurde zu Beginn des Jahres ein neuer Vorstand gewählt. Die Grünen änderten sogar ihre Satzung für den neuen Bundesvorsitzenden Robert Habeck, denn zu dem Zeitpunkt war er noch Umweltminister der Jamaika-Koalition in Schleswig Holstein. Bisher durfte die Parteispitze nicht in Regierungsämter verwickelt sein, um Machtkonzentration zu vermeiden. Das ist jetzt für acht Monate erlaubt.4 Die Jamaika-Koalition ist aber auch schon ein erstes wichtiges Indiz, denn dort regieren die Grünen ohne größere Probleme mit der Union und der FDP zusammen. Habeck und Baerbock gehören beide den „Realos“, also dem rechten Flügel der Grünen an. Baerbock setzte sich gegen die Fraktionsvorsitzende im niederächsischen Landtag, Anja Piel, deutlich durch. Damit haben die Grünen mit ihrer bisherigen Regelung, immer beide Flügel am Vorstandsduo zu beteiligen, gebrochen.

Annalena Baerbock und Robert Habeck sind die neuen Vorsitzenden der Grünen

Habecks Herzensprojekt, dem „Jamaika“ Bündnis in Schleswig-Holstein, kann man aber bereits ansehen, dass die Grünen keine linke Partei mehr sind.

„Für Arbeitnehmer, Pendler und einkommensschwache Bevölkerungsgruppen und Kommunen tut sich kaum etwas: Die Jamaika-Parteien betreiben lieber Klientelpolitik im Arbeitgeberlager. Da muss im zweiten Jahr einiges passieren, sonst wird der Unmut wachsen“ – Uwe Polkaehn, Vorsitzender DGB Nord

Wie es in einem Land, das von Union und FDP mitregiert wird, zu erwarten ist, hat es einen sehr hohen Anteil an „A-typischer Beschäftigung“ (Leiharbeit, Zeitarbeit und ähnliches) und liegt damit tief im „Lohnkeller“ der westlichen Bundesländer.5 Hinzu kommt der Bau einer Abschiebehaftanstalt, die für keinen Linken jemals akzeptierbar wäre. Grüne sind da aber opportunistisch und bauen auch mal Knäste für die „konzentrierte Unterbringung“ von Geflüchteten im Land, wenn die Koalitionspartner das wollen. „In der Koalition sind wir Grünen links.“ erklärte Steffen Regis Landesvorsitzender in S-H und fasst das Problem damit ungewollt am besten zusammen.6

Bei Habeck kann man also auf keinen Fall von einem Linken sprechen und auch Bearbock macht eher mal dadurch auf sich Aufmerksam, dass sie in deutschtümelnder Manier ihre Sommerreise mit dem Untertiel „des Glückes Unterpfand“ aus dem Deutschlandlied vermarktet.7 „Heimat“ wieder positiv besetzen, das war auch schon ein Anliegen von Göring-Eckhardt.8 Das könnte also die neue Linie der Grünen sein. Ein hipper, grüner und angeblich viel besserer Kapitalismus und ein ebenso hipper, grüner und angeblich viel besserer Deutsch-Nationalismus.

Grüne Geflüchtetenpolitik ist Rechtsruck

Das Abschiebegefängnis in S-H ist ein Beispiel für den generellen Trend, der sich seit der sog. „Flüchtlingskrise“ 2014 bei allen Parteien und der gesamten Gesellschaft beobachten lässt: der Rechtsruck. Der Rechtsruck ist nicht erst, wenn die AfD in Landtagen und im Bundestag sitzt. Er ist nicht nur eine faschistoide Partei, die bei fast 20% in Umfragen steht, in Sachsen bereits bei der Bundestagswahl stärkste Kraft9 wurde und mittlerweile in fast allen Landesparlamenten vertreten ist, sondern es sind auch alle anderen Parteien. Es ist die CSU, die sich kaum noch von der AfD unterscheiden lässt, die SPD die bei allem mitzieht und willentlich beim rechten Stillstand der GroKo mitmacht und es sind auch die Grünen, die von allen Parteien an den meisten Landesregierungen beteiligt sind. Der Bundesrat ist es auch, der einer Erweiterung der Liste sicherer Herkunftsländer, neben dem Bundestag, zustimmen muss. Die Grünen hatten also schon mehrfach die Möglichkeit, sich dem politischen Rechtsruck klar entgegenzustellen. Doch im September 2014 erweiterten sie die Liste sicherer Herkunftsstaaten lieber um Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien. Im Oktober 2015 kamen dann Albanien, Montenegro und Kosovo.10 Im Artikel von Telepolis wird deswegen auch richtiger Weise von einer grünen Unterstützung der Geflüchtetenpolitik Merkels geschrieben. Allerdings wird dort auch unsinniger Weise behauptet, die AfD und die Grünen wären die „größten Widersacher“ wenn es um die Geflüchtetenpolitik gehe. Der Autor fällt scheinbar auf die Konstruierung der Feindbilder herein, denn die AfD scheint die Grünen als ihren Hauptfeind ausgemacht zu haben. Doch faktisch sind die beiden Parteien nicht die größten Widersacher, sondern beide Teil des selben gesellschaftlichen Prozesses, undzwar des Rechtsrucks. Die sog. „Flüchtlingskrise“ war eigentlich eine Krise des Rassismus in Deutschland und alle Parteien, mit Ausnahme der Linken, reagierten darauf, indem sie selbst ebenfalls immer rassistischer wurden. Die Grünen konnten merkels Geflüchtetenpolitik der (europäsichen) Abschottung und den immer stärker zunehmenden Abschiebungen und rassistischen Maßnahmen also folgen und bilden deswegen den „linken“ Flügel des Rechtsrucks. Sie sind in keinster Weise eine wirkliche Alternative zum aktuellen Trend, geschweige denn zur Geflüchtetenpolitik der AfD. Der wirklich größte Widersacher der AfD ist Die Linke, denn nur sie steht konsequent für offene Grenzen und eine solidarische Gesellschaft. 

Grüne Programmatik wird den Rechtsruck nicht aufhalten

Die Grünen haben nun aber auch nicht das inhatliche Profil, um den Rechtsruck wirklich stoppen zu können. Seit der Agenda 2010, die von den Grünen damals mit beschlossen wurde, hat sich in Deutschland ein gigantischer Niedriglohnsektor gebildet. Sozialen Wohnungsbau gab es keinen, der ÖPNV in ländlichen Regionen ist in einem katastrophalen Zustand, Leiharbeit, Zeitarbeit und Hartz IV machen Millionen von Menschen in Deutschland Probleme und die katastrophalen Zustände in Krankenhäusern und der Altenpflege sind nur noch schlimmer geworden. Da helfen keine symbolischen Maßnahmen der Bundesregierung. Diese handfesten ökonomischen Probleme müssen gelöst werden. Die sozialen Forderungen der Grünen gehen definitiv nicht weit genug, aber was bringen uns diese Positionen auch, wenn sie dann lieber mit der Union und der FDP in eine Regierung eintreten und sowieso nichts davon durchsetzen? Wir müssen wieder für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland sorgen, denn nur damit lässt sich der Rechtsruck effektiv und nachhaltig bekämpfen.

„Links-liberale“ können sich noch so sehr über ein Umfragehoch der Grünen freuen, solange es nicht auf Kosten der AfD geht und wir keine soziale Offensive für alle Menschen in diesem Land haben, ist das kein Zeichen gegen den Rechtsruck. Die einzige Partei gegen den Rechtsruck und für eine soziale Offensive ist und bleibt also Die Linke.

1https://www.bundeswahlleiter.de/bundestagswahlen/2017/ergebnisse.html

2https://www.bundeswahlleiter.de/bundestagswahlen/2013/ergebnisse.html

3https://www.heise.de/tp/features/Gruene-Das-linksliberale-Erfolgsmodell-gegen-die-AfD-4133988.html

4https://www.sueddeutsche.de/politik/gruene-der-weg-fuer-robert-habeck-ist-frei-1.3842430

5https://www.welt.de/regionales/hamburg/article177739338/Jamaika-Koalition-in-Schleswig-Holstein-Viel-Smalltalk-wenig-Substanz.html

6http://www.taz.de/!5504003/

7http://www.taz.de/Gruene-Jugend-Sprecherin-ueber-Heimat/!5520444/

8https://www.merkur.de/politik/duerfen-gruene-heimat-sagen-grosse-diskussionen-nach-parteitag-zr-8733338.html

9http://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/AfD-will-2019-in-Sachsen-staerkste-Kraft-werden

10http://www.taz.de/!5494961/

Der Aufstand der Anständigen

Demonstration: Seebrücke

In über 20 Städten hat das Bündnis „Seebrücke“ am Samstag zu Demonstrationen und Aktionen aufgerufen, um gegen das menschenverachtende Verhalten der Regierungen in Europa zu demonstrieren. Während die Regierungen der Staaten am Mittelmeer wegsehen und der Rettung von Menschen teils aktiv im Wege stehen, ist es die Seebrücke die Verantwortung übernimmt und in Seenot geratene vor dem Ertrinken bewahrt. Nachdem die Besatzung des Schiffes Lifeline 234 Geflüchtete aus dem Mittelmeer vor dem Tod gerettet hatte, drückten sich die europäischen Regierungen, in einem unwürdigen Schauspiel, Tage lang um ihre Verantwortung herum. Fast eine Woche fuhr die Lifeline an der Mittelmeerküste entlang bis sie in der maltesischen Hafenstadt Valletta landen durften. Zum Dank für ihre Zivilcourage wurde die Besatzung des Schiffes dort festgesetzt und in Italien soll ihnen nun wegen der angeblichen Beteiligung an Schleppertätigkeiten der Prozess gemacht werden. In ihrem Aufruf fordert die Seebrücke nun sichere Häfen und einen Aufstand der Anständigen um sich dem Zynismus entgegenzustellen, der in Europa Einzug gehalten hat.

RECHTE HETZE TÖTET

Trotz des zu Beginn strömenden Regens trafen sich 300 Demonstrant*innen, um sich mit der Seebrücke solidarisch zu zeigen. Die Organisation fürchtete bereits dass die Veranstaltung ins Wasser fallen würde doch als man uns aus dem Lautsprecherwagen fragte, ob wir trotzdem Demonstrieren wollen, war klar dass der Regen unserer Entschlossenheit nicht im Wege stand. Zahlreiche Umstehende schlossen sich dem Zug an sodass wir bei der Abschlusskundgebung am Landtag fast doppelt so viele waren wie noch am Opernplatz. Obwohl der gestrige Tag im Rahmen des zu Erwartenden ein Erfolg war, ist klar dass das nur der Anfang war. Die Seebrücke macht weiter bis die Staatengemeinschaft ihrer Aufgabe wieder nachkommt und wir sind an ihrer Seite!

Die Antifa entert die das bluesky Gebäude: hier

Kindergelderhöhung

Kindergelderhöung nur für Reiche

Nachdem die Parteifinanzierung vor wenigen Wochen durch die große Koalition um 15% erhöht wurde, steht nun eine Kindergelderhöhung von 10€ an was etwa 5% entspricht.
Durch diese Maßnahme erhöht sich das Kindergeld auf 204€ was etwa einem Drittel der tatsächlichen Kosten für ein Kind entspricht.
Als ob dies noch nicht zynisch genug wäre, bleiben ALG II Empfänger von dieser Änderung unangetastet.
Der Hartz 4 Regelsatz steigt weiterhin nur um etwa 100 pro Kind im Schulalter was bedeutet dass ein Kind mit arbeitslosen Eltern dem Staat heute nur etwa halb so viel Wert ist wie das eines Beschäftigten.
Jedes fünfte Kind lebt heute in Armut und trotz sprudelnder Steuereinahmen scheint sich die Bundesregierung gerade für die Ärmsten kaum zu interessieren.
Anstatt Eltern finanziell zu unterstützen, wird in den nächsten 4 Jahren der Solidaritätszuschlag abgeschafft, was überwiegend Reichen zu Gute kommt.
Mit diesem Geld ließe sich das Kindergeld für jedes Kind um 100€ erhöhen.
Statt dauerhafter Streitereien fordern wir ein faires Kindergeld, dass verhindert dass Kinder ein Armutsrisiko für Eltern werden.

Tag der Patrioten

In 22 Städten wurde heute zum Tag der Patrioten aufgerufen und gemeinsam mit einem breiten Bündnis aus Jugendverbänden haben wir uns ihnen in Hannover entgegengestellt. Wir haben Spaß – ihr habt nur Deutschland, wäre ein angemessenes Motto für den Tag gewesen. Nachdem anfängliche Unstimmigkeiten mit der Polizei über die genaue Länge von 30 Metern einmal ausgeräumt waren, begannen wir mit guter Musik und ausgelassener Stimmung den Tag zu genießen. Einhundert alte Männer/besorgte Bürger mit Deutschland Flaggen waren aus Angst vor der „Islamisierung des Abendlandes“ nach Hannover gekommen und taten, angestachelt von Sybill Constance de Buer, ihren als Meinung getarnten Hass kund. Frauen hätten wohl Angst davor auf die Straße zu gehen, wir fragen uns wovor. Eine Frau die eigener Aussage nach im Osten verfolgt wurde ruft nun dazu auf andere fort zu jagen. So eine Doppelmoral kann nur einem AfD Wähler entgehen! Aus Pappe, Klebeband und Segeltuch wurde indes von Mitgliedern der Partei ein antifaschistischer Schutzwall gegen Rechts formiert. Wir sind die Mauer – das Volk muss weg. Unter Begleitung der Polizei wurden die Patrioten einmal um den Block geführt und wie immer konnten sie es nicht lassen mit Kameras draufzuhalten. Mehr als eine Stunde nach Beginn der Veranstaltung stattete die Grüne Jugend der Demonstration noch einen Kurzbesuch. Als Hagida ihre bis 19:00 angemeldete Veranstaltung um 15:45 mit dem „singen“ aller drei Strophen der Nationalhymne beendete kehrten die meisten von ihnen wohl nach Hause zurück um sich das Spiel ihrer Nationalmannschaft anzusehen. Die meisten von ihnen werden am heutigen Tag wohl wenig Freude gehabt haben.

Rückblick auf den Frauen*kampftag

Am 08. März waren auch wir an der Demo zum internationalen Frauen*kampftag von Unsere Alternative heißt Solidarität beteiligt.
Schon seit über 100 Jahren wird dieser Tag begangen, um auf die, leider nach wie vor, prekäre gesellschaftliche Position der Frau* aufmerksam zu machen und gemeinsam für Gleichstellung und echte Emanziaption zu kämpfen.
 
Auch wenn seit dem ersten internationalen Frauen*kampftag schon viel passiert ist, muss noch viel mehr getan werden! Dabei darf die Feminismusdebatte auf keinen Fall von Rechts vereinnahmt werden, auch wenn es mittlerweile einige Bestrebungen dazu gibt.

Unser Redebeitrag behandelt genau dieses Thema. Hier nochmal zum Nachlesen:

„Seit dem ersten Frauen*kampftag 1911 hat sich viel bewegt. Das Frauenwahlrecht wurde erkämpft, Frauen dürfen arbeiten, ohne sich die Erlaubnis von einem Mann holen zu müssen, Vergewaltigungen in der Ehe sind zumindest theoretisch illegal und wir sind unsere eigenen Chefinnen geworden.

Doch ist der Tag damit überflüssig geworden? Ist die Emanzipation mittlerweile abgeschlossen?

Nein niemals!

Weltweit leiden Frauen* immer noch unter patriarchischen Verhältnissen, werden in der Werbeindustrie nach wie vor als Objekte männlicher Begierde behandelt und sollen sich sexistischen Schönheitsidealen unterwerfen. Abtreibungen können beinahe nirgendwo problemlos durchgeführt werden und der Gender Pay Gap ist in angeblich so fortschrittlichen Ländern wie Deutschland immer noch bei über 20%.

Gründe auf die Straße zu gehen und zu kämpfen gäbe es also genug.

Und doch entdeckt ein relevanter Teil der Gesellschaft den Feminismus als Thema erst dann wieder, wenn er sie für fremdenfeindliche Hetze instrumentalisieren kann. Nach der Silvesternacht von 2015 meinten plötzlich ganz viele Leute, die mit Feminismus zuvor gar nichts am Hut hatten, sich für das Recht deutscher Frauen einsetzen zu müssen.

Spätestens seit der sog. „Flüchtlingskrise“ versuchen rechtsradikale die Feminismusdebatte zu einem Kampf gegen den Islam und Geflüchtete zu machen. Aktuelle Beispiele sind zum einen die 120db Aktion der Identitären Bewegung, die auf den ersten Blick wie eine normale Aktion gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigungen wirkt. Doch sehr schnell entpuppt sich das Video als rassistisch und geflüchtetenfeindlich. Das Problem sei nicht das Patriarchat, der Feind ist nur der Fremde. Der „wilde Schwarze“, den sich Deutschland importiert hätte und der nun die Sicherheit weißer Frauen bedrohe.

Wir sind keine Instrumente für Rassismus und Populismus!

Die Unterdrückung der Frau wird nicht als gesamtgesellschaftliches Problem aufgefasst, dass sich durch alle Länder, Kulturen und sozialen Schichten zieht, sondern zu einem nationalen Kampf gegen angebliche Volksfeinde umgedeutet. Das hiesige Patriarchat, wird dabei nicht nur ignoriert, sondern zum Teil der angeblich deutschen Identität. Dabei ist die Argumentation der rechtsradikalen selbst zutiefst sexistisch. Frauen seien bloß ein Gegenstand weißer Männlichkeit und eine Vergewaltigung sei eben auch ein Angriff auf die Männer und ihren Stolz.

Nein, dass sind wir eben nicht!

Patriarchat hat keine Religion und Hautfarbe, es sind Männer, genau die Männer die uns Frauen unterdrücken wollen und sich selbst unterordnen.

Wir ordnen uns nicht mehr unter, wir sind keine Besitztümer und wir können auf uns selbst aufpassen!

Und wenn im Zuge der „Me too“ Debatte mal wieder die sexistischen Abgründe dieser Gesellschaft aufgezeigt werden, mögen sich die „Feminazis“ mal nicht so anstellen.

Es sei in Ordnung, wenn Frauen nicht mehr nur auf ihre Sexualität reduziert werden wollen. Es sei denn, die Männer, die genau das tun, sind weiß und deutsch. Dann sei es nämlich ihr Recht, oder die Frau stelle sich im Nachhinein bloß an. Schließlich würden Männer ja eh besser wissen, was Frauen wollen, nicht wahr?

Diese Doppelmoral ist nur eines von vielen Beispielen, an denen sich zeigen lässt, wie rassistisch und Anti- emanzipatorisch rechtsradikale Frauen*feinde wirklich sind.

Parteien wie die AfD versuchen dann aber auf diesen Zug aufzuspringen, indem sie in Berlin eine Demonstration „gegen Islamisierung und Migrantengewalt“ anmeldeten. Bei diesem sog. „Frauenmarsch“ waren dann allerdings nur sehr wenige Frauen anwesend und glücklicher Weise wurde er auch schnell von zahlreichen Gegendemonstrant*innen blockiert.

Klar ist, dass die Unterdrückung der Frau ein gesamtgesellschaftliches und internationales Problem ist. Sexistische Strukturen in allen Ländern, Kulturen und Religionen sind ein Teil dieses Problems und auch der Kapitalismus kommt nicht ohne sie aus. Deswegen dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Das Problem sind nicht die Geflüchteten, das Problem ist das heteronormative Patriarchat und der Kapitalismus. Ohne die Überwindung von beidem kann es keine Befreiung der Frau geben. Wir dürfen nicht zulassen, dass Rassist*innen und rechte Frauenfeinde die Feminismusdebatte dominieren und für sich instrumentalisieren.

Solange dieser Kampf nicht gewonnen ist, werden wir weiterkämpfen. Wir sind keine Instrumente für Hass!

Unser Feminismus bleibt antikapitalistisch und antirassistisch!“

 

Menschenfeinde sprechen nicht für uns!

Als linke, emanzipatorische und antifaschistische Kraft, setzt sich die Basisgruppe gegen jede Form der Menschenfeindlichkeit ein. Es ist unsere Pflicht, uns jedem Rassismus, jedem Antisemitismus und allen anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit entschieden entgegen zu stellen. Politische Kräfte, die diese Grundsätze aufgrund rassistischer oder antisemitischer Hetze nicht achten, können keine Partner*innen für uns sein. Selbiges gilt für Mitglieder und Sympathisant*innen der entsprechenden Parteien, Organisationen oder Bewegungen.

 

Auf der letzten Kundgebung gegen die neonazistische HAGIDA Gruppe (12.02.2018) in Hannover, die vom Bündnis ‚Jugend gegen Rassismus‘ organisiert und durchgeführt wurde und die auch von uns regelmäßig unterstützt und besucht wird, sprach ein Repräsentant der MLPD Jugendorganisation ‚Rebell‘. Dieser sammelte Spenden für einen Geflüchteten und versuchte so, ihn und seine Probleme für seine Zwecke zu instrumentalisieren. Trotz des scheinbar netten und hilfsbereiten Ansatzes, ist die MLPD eine Partei, die klar menschenverachtende und antisemitische Positionen vertritt. So stellte sie zur Bundestagswahl 2017 eine „internationalistische Liste“ auf, auf der ebenfalls Vertreter*innen der antisemitischen Terrororganisation PFLP vertreten waren.[1]

Diese ist unter anderem für zahlreiche Flugzeugentführungen sowie für Anschläge in Israel verantwortlich.[2] Versuche der Partei, die Vorwürfe zu relativieren scheinen sehr unglaubwürdig, da die Aufnahme von „Sympathisant*innen“ der PFLP auf die Liste schon kritikwürdig genug wäre.

Wir lehnen jegliche Zusammenarbeit mit Parteien ab, die solche Ansichten vertreten oder Sympathien für entsprechenden Aktivist*innen zeigen. Daher distanzieren wir uns aufs Schärfste von dem Redner und dem Redebeitrag und kritisieren Jugend gegen Rassismus und die Organisator*innen der Kundgebung, dafür, dass sie dieser Person eine Bühne boten. Wir halten außerdem fest, dass solche Positionen und alle damit zusammenhängenden Organisationen und Personen unvereinbar mit den Grundwerten unserer Basisgruppe sind und eine Zusammenarbeit deswegen in jedem Fall ausgeschlossen wird. Die Basisgruppe wird sich auch nicht an Kundgebungen und Demonstrationen beteiligen, die solchen Menschen und Positionen eine Bühne bieten oder sogar von ihnen (mit)organisiert werden.

Gegen jeden Antisemitismus. Nie wieder Faschismus, nie wieder Auschwitz!

 

Gegen Querfront und Verschwörungstheoretiker*innen

Der Redner wurde in der Vergangenheit ebenfalls bei sog. „Friedensmahnwachen“ der Band Die Bandbreite gesehen und zeigte ganz offensichtlich starke Sympathien für sie und ihre Inhalte.

Auch nach einem Gespräch, während der Mahnwache, zeigte er keine Einsicht und verblieb auf der Veranstaltung. Im Zuge dieser wurde unter anderem auch der Holocaust und die deutsche Schuld an diesem relativiert, als die These aufgestellt wurde, dass die KZ Insassen und die KZ Wärter in Wirklichkeit nur zwei verschiedene Opfergruppen des diktatorischen Naziregimes gewesen seien und sich eigentlich hätten zusammenschließen müssen, um die „bösen Ausbeuter“ zu stürzen. Des Weiteren wurden auch zahlreiche andere Verschwörungstheorien verbreitet, u.a. dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 von der Regierung durchgeführt wurden oder dass Hitler von „ausländischen Kräften“ eingesetzt wurde, um einen Vorwand für einen Krieg gegen Deutschland zu haben. Auch Hetzte gegen Geflüchtete und Solidarisierungen mit der AfD waren Teil der Kundgebung.[3]

Darüber hinaus unterstützte die Bandbreite die verschwörungstheoretische und antisemitische Partei „Deutsche Mitte“ im Bundestagswahlkampf. Die Partei fordert in ihrem Kurzwahlprogramm unter anderem einen „Friedensvertrag“ und „volle Souveränität“ für Deutschland und greift damit die Ideologie der rechtsradikalen „Reichsbürgerbewegung“ auf, die die Verschwörungstheorie verbreiten, Deutschland sei kein souveräner Staat, sondern nur eine GmbH.[4]

 

[1] https://www.ruhrbarone.de/die-verbindungen-der-mlpd-zur-palaestinensischen-terrorgruppe-pflp/147275

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Volksfront_zur_Befreiung_Pal%C3%A4stinas

[3] https://www.youtube.com/watch?v=0DtC3YOolqk

[4] http://antifaelf.blogsport.de/2017/04/14/verschwoerungsideologie-in-parteiform-die-deutsche-mitte-ist-nun-auch-in-oldenburg-angekommen/

 

Rückblick auf die Proteste gegen den AfD-BPT in Hannover: Vier Aktivistinnen erzählen

Wasserwerfer, Räumpanzer, Polizeigewalt. Das ist ist das erste, was einem rund um die Proteste gegen den Bundesparteitag (BPT) der AfD, in den Kopf kommen könnte. Drei Demonstrationen richteten sich gegen diesen BPT und damit gegen den massiven Rechtsruck in Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Doch wo linker Protest ist, ist auch staatliche Repression und Gewalt nicht weit. Einem Antifaschisten wurde brutal ein Bein gebrochen, obwohl er nur zivilen Ungehorsam leistete.

Die IG Metall kritisierte den Einsatz in einem offenen Brief an den Polizeipräsidenten Hannovers und den Landesinnenminister scharf.

Wir kritisieren mit Nachdruck, dass an diesem Samstag Gewalt und Provokation zu aller erst von Seiten der Polizei ausging“ heißt es unter anderem.

Solche Vorfälle sind für linke Aktivist*innen leider schon lange keine Einzelfälle mehr. Deshalb begrüßen wir, die teilweise kritische Berichterstattung, infolge des Polizeieinsatzes und auch das Schreiben der IG Metall. Zu oft wird bei – indem Brief ebenfalls erwähnten – „Kriminalisierungs- und Einschüchterungsmethode[n]“ oder auch bei brutaler Gewalt jedoch weg gesehen. Die Berichterstattung wird meistens von den Darstellungen der Polizei dominiert und viele Zeitungen und Medien übernehmen solche Darstellungen deutlich zu unkritisch.

Wie wirkt sich diese Situation auf Teilnehmer*innen und Interessierte aus und was denken sie über solche Proteste? Wir haben mit 4 unserer Aktivistinnen gesprochen:

Die Namen sind geändert.

Hattet ihr zuvor schon Demoerfahrung?

Lena: Ich habe nur an der Demo am Samstagmittag, den 2. Dezember 2017 teilgenommen. Zwar war es nicht die erste Demonstration die ich besucht habe, aber doch die Größte auf der ich bisher war.

Leonie: Ich war mit dem AfD-BPT insgesamt auf 5 Demos. Darunter zweimal beim CSD. Die Demos vor dem AfD-BPT waren friedlicher. Das war einmal in Amsterdam (CSD), da war gar keine Polizei, aber vor kurzem war ich einmal mit einem Genossen in Hildesheim waren da nur ein oder zwei Polizeiwagen. Das war gar nicht so schlimm. Das hat eigentlich richtig Spaß gemacht, aber der AfD Parteitag war echt ein Schock für mich. Vor allem bei 0 Grad einen Wasserwerfer… bin ich ein bisschen enttäuscht, ehrlich gesagt.

Alysha: Ich war einmal auf dem CSD. Es war halt wie ein CSD, bunt, lustig (lacht)

Sofie: Ich war davor noch nicht auf einer Demo. Ich dachte, ja klar, da wird Polizei da sein, aber ich dachte an ein paar die da am Rand stehen. Ich hab mich manchmal so gefühlt, als wäre ich ein Verbrecher. Als würde man gerade voll die Straftat begehen, obwohl man da nur demonstriert.

Leonie: Als wenn es ein Fehler wäre, dort hin zu gehen.

Sofie: Deswegen. Ich glaub auch weil ich davor noch nie auf einer Demo war, wars für mich so eine „von null auf hundert“ Eskalation.

Und wie haben die Demos und die Demonstrierenden auf euch gewirkt?

Leonie: Also es war echt friedlich. Ich fand das total süß, wie die da Tee verteilt und Suppe gegessen haben. Nur bei der Großdemo war ich irgendwie am falschen Platz bei den Linken, denn die haben gar nicht mit geschrien oder so. Die Kurd*innen waren ganz okay. Also die waren hinter mir, die haben aber nur so kommunistische Sachen gerufen, was ich auch total cool finde, aber ich hatte richtig Bock, zu provozieren.

Die Vorabenddemo war perfekt, mit dem Gauland Jagen Transpi und allem. Also die Demonstrierenden waren echt friedlich. Ich hab sogar mit einer Person auf dem Boden gepennt und wir haben uns eine Decke geteilt. Also das fand ich süß.

Lena: Alles war friedlich, von uns Demonstranten kam keinerlei aggressive Handlung oder Stimmung. Aber von vorne herein umzingelt zu werden und das von Leuten die selbst vermummt und schwer bewaffnet neben einem hergehen, kommt einer Provokation gleich. Augenscheinlich hatte die Polizei auf Eskalation hingearbeitet, denn dieses Maß an „Sicherheitsvorkehrungen“, die getroffen wurden, war mehr als unnötig.

Alysha: Ich fand auch, dass alles friedlich war. Klar, es war schon ein bisschen angespannt, aber nicht irgendwas krasses oder so. Die Vorabenddemo hat am meisten Spaß gemacht, da war richtig schöne Stimmung.

Sofie: Am Freitag hat man mehr diesen „Spirit“ gefühlt. Bei den Blockaden, gerade so gegen Ende, als alle mehr auf die Demo gewartet haben, hats sich mehr angefühlt wie ein großes, buntes Treffen, einfach nicht so wie ’ne Demo. Fand ich aber auch cool.

Am Freitag hat man aber auch gemerkt, dass die Leute auch so bereit gewesen wären. So alle zusammen, radikal gegen Rechts. Das fand ich cool, aber am Samstag hat man das leider nicht so gemerkt. Natürlich fand ich das trotzdem cool.

Wie habt ihr die Polizeipräsenz und das Handeln der Polizei empfunden?

Sofie: Ich fand, es war zu viel Polizei.

Leonie: Meiner Meinung nach war viel zu viel Polizei da. Wenn du rein gegangen bist, wurdest du kontrolliert und die haben uns nicht raus gelassen. Wir mussten uns raus prügeln. Ich fand das schon echt erniedrigend, als wir durch Büsche kriechen mussten, nur um zum Hauptbahnhof zu gelangen. Es war auch echt erniedrigend, dass ich mich unter Zivilist*innen „einschleichen“ musste, um raus zu kommen.

Außerdem war die Polizei sehr provokant. Die sind schon mit Provokation zur Demo gekommen, hab ich das Gefühl. Bei der Vorabenddemo hatte ich direkt ein Transpi neben mir. Wir hatten ja das Recht auf der Straße zu bleiben. Die haben mir meinen Platz gestohlen, also die haben mich immer weiter gedrückt. Irgendwann hab ich dann gefragt, was die Scheiße soll. Wir haben das Recht hier, auf der Straße, zu demonstrieren. Und die so „Ey, nicht so frech werden“ und dann haben mir die Leute, die um mich herum waren, geholfen. Das fand ich echt nicht toll, dass ich mich hier mit denen streiten musste, nur weil wir ’ne Demo führen wollten.

Lena: Wir kamen zu zweit (zwei 16- jährige Mädchen) aus einem Bahnhof in der Nähe der Kundgebung der Linksjugend und wurden erstmal von fünf voll bewaffneten Polizisten empfangen, die uns kontrollieren wollten. So weit, so gut, denn natürlich sind Kontrollen bis zu einem gewissen Maße nötig. Mir aber dann meinen Textmarker wegnehmen zu wollen, weil ich damit bestimmt Hauswände anmalen wollen würde (Was natürlich meine Intention war und nicht etwa meine Hausaufgaben die ich ebenfalls mit hatte weiter zuführen…) und den Schal, weil angebliche Vermummungsgefahr besteht, war einfach mehr als lächerlich. Schließlich waren es ungefähr 3 Grad und hinter dem Schal hätte sich niemals jemand verstecken können. Nach einiger Diskussion durfte ich beides dann glücklicherweise doch behalten.

Alysha: Für die Leute von Außen kam es halt so rüber, als seien wir die Bösen, weil es so viel Polizei war.

Leonie: Die haben unsere Transpis auch so stark verdeckt, dass die nicht mal sehen konnten, dass wir friedlich sind und tolle Sprüche auf unseren Transpis hatten.

Alysha: Hätte die Polizei irgendwann im Verlaufe der Demo gemerkt, dass es eskaliert und hätte Verstärkung geholt, okay. Aber einem direkt von Anfang an das Gefühl geben, da sind gerade gewaltbereite Protestierende, die für irgendeine dumme Sache kämpfen und deswegen sind wir hier mit vierer-Reihen und alle Menschen, die das sehen, denken sich „Oh mein Gott, was sind das für Terrorist*innen?“. Obwohl ich da eigentlich nur mit dem Ziel hingegangen bin, gegen die AfD zu demonstrieren.

Sofie: Und es ist ja nicht mal eskaliert. Man hat sich direkt so gefühlt, als hätte man gerade fünf Verbrechen begangen, man wäre gerade unter Beobachtung und auf Freigang oder so. Fand ich halt total krank, eigentlich. Auch am Samstag, fand ich es total heftig, wie viel Polizei in der ganzen Stadt war. Freunde von uns, wurden so oft nach ihrem Ausweis gefragt. Erschreckend, dass die so heftig kontrolliert wurden, obwohl die nichts gemacht haben. Das ist halt mega übertrieben, schließlich sind wir ja keine Terrorist*innen oder so.

Bei der Demo am Samstag hatte die Polizei an jeder Straßenkreuzung Wasserwerfer und Räumpanzer aufgestellt haben, um der Demonstration mal zu zeigen, was die so haben. Das sind ganz klare Einschüchterungsversuche und das bei einer deutlich bürgerlichen Demo. Von daher gabs da auch gar kein wirkliches Gewaltpotential.

Lena: Das recht auf Demonstrationsfreiheit hat jeder hier und das so massiv zu behindern und einzuschränken ist mehr als unfair. Sinnvoll kamen mir die meisten Entscheidungen da jedenfalls keineswegs vor.

Wie habt ihr die Demo-Tage insgesamt erlebt?

Sofie: Also es hat mega anstrengend und mega kalt, aber man war so drin und es war so ’ne Atmosphäre. Das hat richtig Spaß gemacht.

Leonie: Ich war generell so richtig hyperaktiv im Kopf. Ich wollte so richtig gerne gegen Rechts schreien, aber mein Körper hat nicht so mit gemacht. Es war richtig früh, ich musste um drei aufstehen. Die Demotage waren toll, kalt, aber gegen Rechts muss man alles aushalten.

Alysha: Ich hab das vorher noch sie so erlebt, dass man so als Gemeinschaft gegen etwas ist. Man kennt niemanden und man fühlt sich so stark. Das fand ich ganz schön.

Leonie: Ich fand das auch ganz toll, als wir kurz vorm Blockadepunkt waren. Da sind wir los gerannt und dann haben einfach irgendwelche Leute meine Hand genommen und mich mit gezogen. Es war einfach so ein schönes Gefühl da mit zu machen. Alle haben den gleichen Gedanken.

Lena: Insgesamt halte ich die Demo für sehr erfolgreich, meiner Meinung nach war die Größe des Polizeieinsatzes aber völlig überzogen.

Um den Lesefluss zu gewährleisten, sind Kürzungen nicht gekennzeichnet.

Stellungnahme: Gegen jeden Rassismus

Den Linken wird oftmals vorgeworfen, auf einem „Elfenbeinturm“ zu leben, weshalb sie die echten Probleme der Menschen nicht mehr kennen oder bekämpfen würden. Wenn man diese Aussagen hört, fragt man sich, ob diese Personen sich jemals über die Lage Geflüchteter Menschen in den Lagern und Camps anderer Länder informiert haben.

Das Elend ist furchtbar: mangelnde Versorgung, schlechte Hygiene und allgemein unmenschliche Zustände; während die meisten hier in Deutschland ein vergleichsweise gutes Leben führen.1

Wir wissen, dass auch hier viele Menschen unter unwürdigen Bedingungen leiden, doch den Geflüchteten geht es noch schlechter und sie sind nicht die Wurzel des Problems.

Leider bestimmt diese Denkweise seit der sog. „Flüchtlingskrise“ stark den gesellschaftlichen, immer weiter nach Rechts rückenden, Diskurs. Bewegungen wie PEGIDA und allen voran Parteien wie die AfD haben dies massiv mit verursacht. Obwohl diese Partei ehemalige Neonazis in ihren Reihen hat, regelmäßig mit solchen (wie der Identitären Bewegung) zusammenarbeitet und gerade in der jungen Alternative personelle Überschneidungen aufweist, wurde sie mit einem deutlich zweistelligen Ergebnis in den Bundestag gewählt.

Bis zu ihrem Ausstieg wurde Frauke Petry zu den „gemäßigten“ innerhalb der Partei gezählt. Allein die Tatsache, dass sie den Begriff „völkisch“ wieder positiv besetzen wollte, gewährt einen tiefen Einblick in den ideologischen Sumpf, dem die ganze Partei verfangen ist.2

Die Differenzen zwischen dem „Realo“Flügel und dem „Fundamentaloppsitionsflügel“ liegen nicht auf ideologischer Ebene, sondern auf taktischer. Das macht Petry nicht weniger rassistisch, als Björn Höcke. Auch wenn dieser mehr für den Aufbau eines faschistischen Flügels steht und auch ideologisch gefestigter ist.

Alle anderen Parteien im Bundestag antworten auf das Erstarken rechtsradikaler, rassistischer, antisemitischer und antidemokratischer Kräfte, ebenfalls mit einem Rechtsruck in ihren politischen Positionen.

Die CDU preschte nach Rechts, indem sie eine Asylrechtsverschärfung nach der anderen durchpeitschte und auch ansonsten den autoritären Polizeistaat weiter ausbauen will.

Die SPD hat mit der Union ebenfalls fleißig die Asylrechtsverschärfungen durchgebracht. Stephan Weil brüstete sich sogar damit, dass „Niedersachsen 2016 so viele Menschen abgeschoben [habe,] wie kein anderes Land“.3

Auch die Grünen sind deutlich nach Rechts gerückt. Sie befürworten ein Einwanderungsgesetz, dass in keinster Weise irgendeine Verbesserung für die Geflüchteten bereithält und sich dabei auch noch an einer neoliberalen Verwertungslogik orientiert, die Menschenleben ernsthaft nach Punkten bewertet. In Kanada ist das bereits Standard.4

Die FDP fordert es ebenso, die damit und mit ihrem ewigen Schrei nach „Fachkräfte Zuwachs“ auch ihren wichtigsten, neoliberalen Motivationsgrund verdeutlicht. Und das ist nicht gerade Menschlichkeit.

Außerdem haben Teile der Grünen versucht, den Begriff „Heimat“ für sich positiv zu nutzen. Auch das geht in diese Richtung und reproduziert die nationalen Unterdrückungsmechanismen, die die fiktive Gemeinschaft einer „Nation“ mit sich bringt.

Dazu kommen dann noch Abschiebungen in Krisengebiete, wie Afghanistan, die auch von zahlreichen Landesregierungen mit grüner Regierungsbeteiligung durchgeführt wurde, etc.

In den Zeiten eines massiven Rechtsrucks des gesamten gesellschaftlichen Diskurses, der sich auch in den Positionen der Parteien widerspiegelt, hat eine linke Partei und Jugendorganisation die Pflicht, sich weiterhin für die eigenen Grundsätze, der Menschenrechte, des Antirassismus und Antifaschismus einzusetzen.

Wir müssen weiterhin für eine gerechte, emanzipatorische und solidarische Politik streiten, was eine Unterteilung betroffener Menschen des Systems nicht erlaubt. Der Kampf für die einzige soziale und humane Politik muss weitergeführt werden.

Leider werden solche Positionen immer wieder von einzelnen Politiker*innen unserer Partei torpediert, in dem sie diese Gruppen ebenfalls gegeneinander ausspielen und so rassistische Ressentiments bedienen und nicht als solche benennen.

Wenn Sahra Wagenknecht behauptet, dass dies Angst und Unsicherheitsgefühle wären5 6 weigert sie sich, die Tendenzen als das zu benennen, was sie sind. Damit wird das Problem relativiert und der rechte gesellschaftliche Diskurs wird weiter gestärkt. Die Linke darf die Situation mit einem, wie auch immer gearteten, Rechtsruck ihrer Positionen auf keinen Fall verschlimmern.

Doch das ist nicht die einzige Äußerung, die sie in diese Richtung tätigte. Beispielsweise sprach sie auch vom „Gastrecht“ der Geflüchteten, was extrem unverhältnismäßig ist, im Vergleich zu der Schuld unserer Politik an dem Leben der Geflüchteten und der Situation ihrer Herkunftsländer. Wir stehen in der Pflicht sie aufzunehmen und sind nicht die moralisch überlegenen. Wagenknecht ist zwar lange nicht so schlimm wie die AfD, weil sie sich selbstverständlich weiterhin für das Recht auf Asyl einsetzt, weil sie die AfD auch als das erkennt, was sie ist, nämlich eine gefährliche Partei und weil sie Fluchtursachen konsequent bekämpfen und Waffenexporte vollständig verbieten will.

Doch so lange sie die selbe Argumentationsstruktur der Rassist*innen der AfD und Union bzw. aller Parteien übernimmt, ist sie auch nicht weniger kritikwürdig, als die CSU mit ihrem Versuch, „die rechte Flanke zu schließen.“ Genau darum geht es bei diesen Äußerungen offensichtlich auch.

Oskar Lafontaine stimmte in diese verwerflichen Positionen mit ein und kritisierte, die Linke habe „bei ihren Antworten auf die weltweite Flüchtlingsproblematik das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit außer Kraft gesetzt“.7 Lafontaine vertrat schon früher rassistische und äußert kritikwürdige Positionen. Er sagte einmal, „dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen“8. Solche Vorstöße sind also nichts neues.

Was passiert, wenn der gesellschaftliche Rechtsruck immer weiter vorangetrieben wird, ist momentan auch in Österreich zu sehen. Die drei großen Parteien, die weit abgeschlagen vor ihrer Konkurrenz gelandet sind, sind die ÖVP, die FPÖ und die SPÖ. Alle drei nehmen sich kaum was in ihren stramm rechten, bis rechtsradikalen Positionen und alle drei profilieren sich mit Rassismus, Geflüchtetenfeindlichkeit und Sozialchauvinismus.9 Eine sozialdemokratische oder eine radikale Linke, die nennenswerte Ergebnisse erzielt hat, gibt es nicht. Die Grünen sind an der 4% Hürde gescheitert, die Liste Pilz hat ebenfalls äußerst kritikwürdige Elemente und die KPÖ+ hat leider nichtmal einen Prozentpunkt geholt.

In Österreich ist radikaler Rassismus also schon längst Konsens und die gleiche Entwicklung droht uns in Deutschland ebenso.

Anstatt, dass wir also ebenfalls irrationale Hetze gegen Geflüchtete betreiben und damit in den rassistischen Chor einstimmen, der schon seit Jahren den gesellschaftlichen Diskurs nach Rechts treibt, müssen wir endlich die echte politischen Missstände in diesem Land angehen. Das funktioniert aber nicht, in dem man einen Widerspruch zwischen sozialer Politik für Geflüchtete und allen anderen konstruiert. Im Gegenteil, die hier lebenden Menschen sollten Seite an Seite mit Geflüchteten und allen anderen gegen die politischen Missstände kämpfen und sich solidarisch zeigen! Dafür setzen wir uns auch weiterhin ein, egal was für Spaltungsversuche auch aus den eigenen Reihen kommt.

Sahra Wagenknechts Äußerungen nach der Bundestagswahl sind kritikwürdig und wir distanzieren uns aufs Schärfste davon. Gerade nach ihrer Wiederwahl zur Fraktionsvorsitzenden sollte sie die Grundsätze der Partei auch nach Außen vertreten. Das ist die Politik der offenen Grenzen und der Solidarität mit allen Schwachen und Entrechteten, auch und gerade deswegen mit den Geflüchteten.

Ihre und Oskar Lafontaines Rechtsruck in diesen Positionen besorgt uns zunehmend, weil wir es nicht mit der Identität unserer linken und emanzipatorischen Partei vereinbaren können.

Kampf allen gesellschaftlichen Kräften, die diesen Rechtsruck ermöglichen. Ob in der Linken, außerparlamentarischen Nazis, parlamentarischen Nazis und den Mitläufern, also Grüne, Union und SPD, bzw. ihren asozialen, arroganten und ignoranten Positionen. Wir erklären uns solidarisch mit den NGOs, die einen offenen Brief an Abgeordneten der Linken schickten und darin eine klare antirassistische Positionierung forderten.10 11 Würden Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine endlich in einen Dialog mit der Partei treten, würden wir das begrüßen.

Hoch die antinationale Solidarität!

1https://jungle.world/artikel/2017/41/vergessen-am-rande-europas

2https://www.welt.de/politik/deutschland/article158049092/Petry-will-den-Begriff-voelkisch-positiv-besetzen.html

3http://Wendezeit/politik/deutschland/2017-10/niedersachsen-wahl-tv-duell-stephan-weil-bernd-althusmann

4https://www.jungle.world/artikel/2017/41/migration-nach-punkten

5http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sahra-wagenknecht-linken-fraktionschefin-will-neue-fluechtlingspolitik-a-1173852.html

6 https://www.klassegegenklasse.org/wagenknecht-am-wahlabend-mehr-rassismus-wagen/

7http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-der-bundestagswahl-lafontaine-liest-der-linkspartei-die-leviten/20384442.html

8http://www.faz.net/aktuell/politik/linksbuendnis-lafontaine-und-der-rechte-rand-1230949.html

9https://jungle.world/artikel/2017/41/links-ist-was-nicht-extrem-rechts-ist

10https://www.facebook.com/blockupy.europe/posts/961646874002351

11http://www.taz.de/!5455149/

Demo gegen rechte Hetze am 15.09.

Am 15.09. haben wir gegen die rechte Hetze der AfD und ihres Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen demonstriert. Wir freuen uns, dass so viele Antifaschist*innen anwesend waren und der AfD gezeigt haben, was wir von ihr halten.
Ein besonderes Dankeschön möchten wir an Störer*innen richten, die sich auf den Kundgebungsplatz der AfD getraut haben, Meuthens Rede kurz ertrugen, um diese dann mit Trillerpfeifen zu stören. Korrekte Aktion

Dennoch müssen wir die Berichterstattung der Hannoversche Allgemeine Zeitung / HAZ kritisieren. Bei der Demonstration gegen Gauland, behauptete die Zeitung, der DGB und „verschiedene Parteien“ hätten zu der Demonstration aufgerufen, obwohl wir es waren, die diese Demonstration anmeldeten und durchführten. Grüne Hannover Unterstützten uns bei der Demo, der DGB hatte damit jedoch nichts zu tun.

Dieses mal wird in dem Artikel lediglich diffus von „Gegendemonstranten“ gesprochen, obwohl der SDS Hannover und Die PARTEI Kreisverband Region Hannover zur Demonstration aufgerufen hatten. Gleichzeitig wird Meuthens Rede in dem Artikel verhältnismäßig ausführlich zusammengefasst, während die Inhalte unsere Demonstration keine Beachtung fanden.
Wir halten das für eine kritikwürdige Art der Berichterstattung, da die journalistische Sorgfaltspflicht unserer Ansicht nach nicht ausreichend erfüllt wurde. Diese einseitige Aufmerksamkeit, die Meuthens rassistische Hetze bekam, sorgt mit für den Rechtsruck des gesellschaftlichen Diskurses. Anstatt über soziale, antirassistische und progressive Inhalte zu schreiben, wird rechter Hetze eine Werbeplattform geboten, während die Anmelder und Organisator*innen des Gegenprotestes nicht mal erwähnt werden.

Dennoch werden wir den antifaschistischen Kampf selbstverständlich weiter führen und hoffen, dass wir bei der nächsten Demo noch lauter und zahlreicher sein werden!

http://www.haz.de/…/Beschimpfungen-und-Drohungen-bei-AfD-Ku…

http://www.haz.de/…/Protest-gegen-Gauland-Auftritt-in-Hanno…