Stellungnahme: Gegen jeden Rassismus

Den Linken wird oftmals vorgeworfen, auf einem „Elfenbeinturm“ zu leben, weshalb sie die echten Probleme der Menschen nicht mehr kennen oder bekämpfen würden. Wenn man diese Aussagen hört, fragt man sich, ob diese Personen sich jemals über die Lage Geflüchteter Menschen in den Lagern und Camps anderer Länder informiert haben.

Das Elend ist furchtbar: mangelnde Versorgung, schlechte Hygiene und allgemein unmenschliche Zustände; während die meisten hier in Deutschland ein vergleichsweise gutes Leben führen.1

Wir wissen, dass auch hier viele Menschen unter unwürdigen Bedingungen leiden, doch den Geflüchteten geht es noch schlechter und sie sind nicht die Wurzel des Problems.

Leider bestimmt diese Denkweise seit der sog. „Flüchtlingskrise“ stark den gesellschaftlichen, immer weiter nach Rechts rückenden, Diskurs. Bewegungen wie PEGIDA und allen voran Parteien wie die AfD haben dies massiv mit verursacht. Obwohl diese Partei ehemalige Neonazis in ihren Reihen hat, regelmäßig mit solchen (wie der Identitären Bewegung) zusammenarbeitet und gerade in der jungen Alternative personelle Überschneidungen aufweist, wurde sie mit einem deutlich zweistelligen Ergebnis in den Bundestag gewählt.

Bis zu ihrem Ausstieg wurde Frauke Petry zu den „gemäßigten“ innerhalb der Partei gezählt. Allein die Tatsache, dass sie den Begriff „völkisch“ wieder positiv besetzen wollte, gewährt einen tiefen Einblick in den ideologischen Sumpf, dem die ganze Partei verfangen ist.2

Die Differenzen zwischen dem „Realo“Flügel und dem „Fundamentaloppsitionsflügel“ liegen nicht auf ideologischer Ebene, sondern auf taktischer. Das macht Petry nicht weniger rassistisch, als Björn Höcke. Auch wenn dieser mehr für den Aufbau eines faschistischen Flügels steht und auch ideologisch gefestigter ist.

Alle anderen Parteien im Bundestag antworten auf das Erstarken rechtsradikaler, rassistischer, antisemitischer und antidemokratischer Kräfte, ebenfalls mit einem Rechtsruck in ihren politischen Positionen.

Die CDU preschte nach Rechts, indem sie eine Asylrechtsverschärfung nach der anderen durchpeitschte und auch ansonsten den autoritären Polizeistaat weiter ausbauen will.

Die SPD hat mit der Union ebenfalls fleißig die Asylrechtsverschärfungen durchgebracht. Stephan Weil brüstete sich sogar damit, dass „Niedersachsen 2016 so viele Menschen abgeschoben [habe,] wie kein anderes Land“.3

Auch die Grünen sind deutlich nach Rechts gerückt. Sie befürworten ein Einwanderungsgesetz, dass in keinster Weise irgendeine Verbesserung für die Geflüchteten bereithält und sich dabei auch noch an einer neoliberalen Verwertungslogik orientiert, die Menschenleben ernsthaft nach Punkten bewertet. In Kanada ist das bereits Standard.4

Die FDP fordert es ebenso, die damit und mit ihrem ewigen Schrei nach „Fachkräfte Zuwachs“ auch ihren wichtigsten, neoliberalen Motivationsgrund verdeutlicht. Und das ist nicht gerade Menschlichkeit.

Außerdem haben Teile der Grünen versucht, den Begriff „Heimat“ für sich positiv zu nutzen. Auch das geht in diese Richtung und reproduziert die nationalen Unterdrückungsmechanismen, die die fiktive Gemeinschaft einer „Nation“ mit sich bringt.

Dazu kommen dann noch Abschiebungen in Krisengebiete, wie Afghanistan, die auch von zahlreichen Landesregierungen mit grüner Regierungsbeteiligung durchgeführt wurde, etc.

In den Zeiten eines massiven Rechtsrucks des gesamten gesellschaftlichen Diskurses, der sich auch in den Positionen der Parteien widerspiegelt, hat eine linke Partei und Jugendorganisation die Pflicht, sich weiterhin für die eigenen Grundsätze, der Menschenrechte, des Antirassismus und Antifaschismus einzusetzen.

Wir müssen weiterhin für eine gerechte, emanzipatorische und solidarische Politik streiten, was eine Unterteilung betroffener Menschen des Systems nicht erlaubt. Der Kampf für die einzige soziale und humane Politik muss weitergeführt werden.

Leider werden solche Positionen immer wieder von einzelnen Politiker*innen unserer Partei torpediert, in dem sie diese Gruppen ebenfalls gegeneinander ausspielen und so rassistische Ressentiments bedienen und nicht als solche benennen.

Wenn Sahra Wagenknecht behauptet, dass dies Angst und Unsicherheitsgefühle wären5 6 weigert sie sich, die Tendenzen als das zu benennen, was sie sind. Damit wird das Problem relativiert und der rechte gesellschaftliche Diskurs wird weiter gestärkt. Die Linke darf die Situation mit einem, wie auch immer gearteten, Rechtsruck ihrer Positionen auf keinen Fall verschlimmern.

Doch das ist nicht die einzige Äußerung, die sie in diese Richtung tätigte. Beispielsweise sprach sie auch vom „Gastrecht“ der Geflüchteten, was extrem unverhältnismäßig ist, im Vergleich zu der Schuld unserer Politik an dem Leben der Geflüchteten und der Situation ihrer Herkunftsländer. Wir stehen in der Pflicht sie aufzunehmen und sind nicht die moralisch überlegenen. Wagenknecht ist zwar lange nicht so schlimm wie die AfD, weil sie sich selbstverständlich weiterhin für das Recht auf Asyl einsetzt, weil sie die AfD auch als das erkennt, was sie ist, nämlich eine gefährliche Partei und weil sie Fluchtursachen konsequent bekämpfen und Waffenexporte vollständig verbieten will.

Doch so lange sie die selbe Argumentationsstruktur der Rassist*innen der AfD und Union bzw. aller Parteien übernimmt, ist sie auch nicht weniger kritikwürdig, als die CSU mit ihrem Versuch, „die rechte Flanke zu schließen.“ Genau darum geht es bei diesen Äußerungen offensichtlich auch.

Oskar Lafontaine stimmte in diese verwerflichen Positionen mit ein und kritisierte, die Linke habe „bei ihren Antworten auf die weltweite Flüchtlingsproblematik das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit außer Kraft gesetzt“.7 Lafontaine vertrat schon früher rassistische und äußert kritikwürdige Positionen. Er sagte einmal, „dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen“8. Solche Vorstöße sind also nichts neues.

Was passiert, wenn der gesellschaftliche Rechtsruck immer weiter vorangetrieben wird, ist momentan auch in Österreich zu sehen. Die drei großen Parteien, die weit abgeschlagen vor ihrer Konkurrenz gelandet sind, sind die ÖVP, die FPÖ und die SPÖ. Alle drei nehmen sich kaum was in ihren stramm rechten, bis rechtsradikalen Positionen und alle drei profilieren sich mit Rassismus, Geflüchtetenfeindlichkeit und Sozialchauvinismus.9 Eine sozialdemokratische oder eine radikale Linke, die nennenswerte Ergebnisse erzielt hat, gibt es nicht. Die Grünen sind an der 4% Hürde gescheitert, die Liste Pilz hat ebenfalls äußerst kritikwürdige Elemente und die KPÖ+ hat leider nichtmal einen Prozentpunkt geholt.

In Österreich ist radikaler Rassismus also schon längst Konsens und die gleiche Entwicklung droht uns in Deutschland ebenso.

Anstatt, dass wir also ebenfalls irrationale Hetze gegen Geflüchtete betreiben und damit in den rassistischen Chor einstimmen, der schon seit Jahren den gesellschaftlichen Diskurs nach Rechts treibt, müssen wir endlich die echte politischen Missstände in diesem Land angehen. Das funktioniert aber nicht, in dem man einen Widerspruch zwischen sozialer Politik für Geflüchtete und allen anderen konstruiert. Im Gegenteil, die hier lebenden Menschen sollten Seite an Seite mit Geflüchteten und allen anderen gegen die politischen Missstände kämpfen und sich solidarisch zeigen! Dafür setzen wir uns auch weiterhin ein, egal was für Spaltungsversuche auch aus den eigenen Reihen kommt.

Sahra Wagenknechts Äußerungen nach der Bundestagswahl sind kritikwürdig und wir distanzieren uns aufs Schärfste davon. Gerade nach ihrer Wiederwahl zur Fraktionsvorsitzenden sollte sie die Grundsätze der Partei auch nach Außen vertreten. Das ist die Politik der offenen Grenzen und der Solidarität mit allen Schwachen und Entrechteten, auch und gerade deswegen mit den Geflüchteten.

Ihre und Oskar Lafontaines Rechtsruck in diesen Positionen besorgt uns zunehmend, weil wir es nicht mit der Identität unserer linken und emanzipatorischen Partei vereinbaren können.

Kampf allen gesellschaftlichen Kräften, die diesen Rechtsruck ermöglichen. Ob in der Linken, außerparlamentarischen Nazis, parlamentarischen Nazis und den Mitläufern, also Grüne, Union und SPD, bzw. ihren asozialen, arroganten und ignoranten Positionen. Wir erklären uns solidarisch mit den NGOs, die einen offenen Brief an Abgeordneten der Linken schickten und darin eine klare antirassistische Positionierung forderten.10 11 Würden Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine endlich in einen Dialog mit der Partei treten, würden wir das begrüßen.

Hoch die antinationale Solidarität!

1https://jungle.world/artikel/2017/41/vergessen-am-rande-europas

2https://www.welt.de/politik/deutschland/article158049092/Petry-will-den-Begriff-voelkisch-positiv-besetzen.html

3http://Wendezeit/politik/deutschland/2017-10/niedersachsen-wahl-tv-duell-stephan-weil-bernd-althusmann

4https://www.jungle.world/artikel/2017/41/migration-nach-punkten

5http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sahra-wagenknecht-linken-fraktionschefin-will-neue-fluechtlingspolitik-a-1173852.html

6 https://www.klassegegenklasse.org/wagenknecht-am-wahlabend-mehr-rassismus-wagen/

7http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-der-bundestagswahl-lafontaine-liest-der-linkspartei-die-leviten/20384442.html

8http://www.faz.net/aktuell/politik/linksbuendnis-lafontaine-und-der-rechte-rand-1230949.html

9https://jungle.world/artikel/2017/41/links-ist-was-nicht-extrem-rechts-ist

10https://www.facebook.com/blockupy.europe/posts/961646874002351

11http://www.taz.de/!5455149/