Rückblick auf den Frauen*kampftag

Rückblick auf den Frauen*kampftag

Am 08. März waren auch wir an der Demo zum internationalen Frauen*kampftag von Unsere Alternative heißt Solidarität beteiligt.
Schon seit über 100 Jahren wird dieser Tag begangen, um auf die, leider nach wie vor, prekäre gesellschaftliche Position der Frau* aufmerksam zu machen und gemeinsam für Gleichstellung und echte Emanziaption zu kämpfen.
 
Auch wenn seit dem ersten internationalen Frauen*kampftag schon viel passiert ist, muss noch viel mehr getan werden! Dabei darf die Feminismusdebatte auf keinen Fall von Rechts vereinnahmt werden, auch wenn es mittlerweile einige Bestrebungen dazu gibt.

Unser Redebeitrag behandelt genau dieses Thema. Hier nochmal zum Nachlesen:

„Seit dem ersten Frauen*kampftag 1911 hat sich viel bewegt. Das Frauenwahlrecht wurde erkämpft, Frauen dürfen arbeiten, ohne sich die Erlaubnis von einem Mann holen zu müssen, Vergewaltigungen in der Ehe sind zumindest theoretisch illegal und wir sind unsere eigenen Chefinnen geworden.

Doch ist der Tag damit überflüssig geworden? Ist die Emanzipation mittlerweile abgeschlossen?

Nein niemals!

Weltweit leiden Frauen* immer noch unter patriarchischen Verhältnissen, werden in der Werbeindustrie nach wie vor als Objekte männlicher Begierde behandelt und sollen sich sexistischen Schönheitsidealen unterwerfen. Abtreibungen können beinahe nirgendwo problemlos durchgeführt werden und der Gender Pay Gap ist in angeblich so fortschrittlichen Ländern wie Deutschland immer noch bei über 20%.

Gründe auf die Straße zu gehen und zu kämpfen gäbe es also genug.

Und doch entdeckt ein relevanter Teil der Gesellschaft den Feminismus als Thema erst dann wieder, wenn er sie für fremdenfeindliche Hetze instrumentalisieren kann. Nach der Silvesternacht von 2015 meinten plötzlich ganz viele Leute, die mit Feminismus zuvor gar nichts am Hut hatten, sich für das Recht deutscher Frauen einsetzen zu müssen.

Spätestens seit der sog. „Flüchtlingskrise“ versuchen rechtsradikale die Feminismusdebatte zu einem Kampf gegen den Islam und Geflüchtete zu machen. Aktuelle Beispiele sind zum einen die 120db Aktion der Identitären Bewegung, die auf den ersten Blick wie eine normale Aktion gegen sexuelle Belästigung und Vergewaltigungen wirkt. Doch sehr schnell entpuppt sich das Video als rassistisch und geflüchtetenfeindlich. Das Problem sei nicht das Patriarchat, der Feind ist nur der Fremde. Der „wilde Schwarze“, den sich Deutschland importiert hätte und der nun die Sicherheit weißer Frauen bedrohe.

Wir sind keine Instrumente für Rassismus und Populismus!

Die Unterdrückung der Frau wird nicht als gesamtgesellschaftliches Problem aufgefasst, dass sich durch alle Länder, Kulturen und sozialen Schichten zieht, sondern zu einem nationalen Kampf gegen angebliche Volksfeinde umgedeutet. Das hiesige Patriarchat, wird dabei nicht nur ignoriert, sondern zum Teil der angeblich deutschen Identität. Dabei ist die Argumentation der rechtsradikalen selbst zutiefst sexistisch. Frauen seien bloß ein Gegenstand weißer Männlichkeit und eine Vergewaltigung sei eben auch ein Angriff auf die Männer und ihren Stolz.

Nein, dass sind wir eben nicht!

Patriarchat hat keine Religion und Hautfarbe, es sind Männer, genau die Männer die uns Frauen unterdrücken wollen und sich selbst unterordnen.

Wir ordnen uns nicht mehr unter, wir sind keine Besitztümer und wir können auf uns selbst aufpassen!

Und wenn im Zuge der „Me too“ Debatte mal wieder die sexistischen Abgründe dieser Gesellschaft aufgezeigt werden, mögen sich die „Feminazis“ mal nicht so anstellen.

Es sei in Ordnung, wenn Frauen nicht mehr nur auf ihre Sexualität reduziert werden wollen. Es sei denn, die Männer, die genau das tun, sind weiß und deutsch. Dann sei es nämlich ihr Recht, oder die Frau stelle sich im Nachhinein bloß an. Schließlich würden Männer ja eh besser wissen, was Frauen wollen, nicht wahr?

Diese Doppelmoral ist nur eines von vielen Beispielen, an denen sich zeigen lässt, wie rassistisch und Anti- emanzipatorisch rechtsradikale Frauen*feinde wirklich sind.

Parteien wie die AfD versuchen dann aber auf diesen Zug aufzuspringen, indem sie in Berlin eine Demonstration „gegen Islamisierung und Migrantengewalt“ anmeldeten. Bei diesem sog. „Frauenmarsch“ waren dann allerdings nur sehr wenige Frauen anwesend und glücklicher Weise wurde er auch schnell von zahlreichen Gegendemonstrant*innen blockiert.

Klar ist, dass die Unterdrückung der Frau ein gesamtgesellschaftliches und internationales Problem ist. Sexistische Strukturen in allen Ländern, Kulturen und Religionen sind ein Teil dieses Problems und auch der Kapitalismus kommt nicht ohne sie aus. Deswegen dürfen wir uns nicht täuschen lassen. Das Problem sind nicht die Geflüchteten, das Problem ist das heteronormative Patriarchat und der Kapitalismus. Ohne die Überwindung von beidem kann es keine Befreiung der Frau geben. Wir dürfen nicht zulassen, dass Rassist*innen und rechte Frauenfeinde die Feminismusdebatte dominieren und für sich instrumentalisieren.

Solange dieser Kampf nicht gewonnen ist, werden wir weiterkämpfen. Wir sind keine Instrumente für Hass!

Unser Feminismus bleibt antikapitalistisch und antirassistisch!“