Frauen*kampftag am 08.03.2020

Der internationale Frauen*tag wird seit 109 Jahren kämpferisch begangen und gefeiert und noch immer sind alle feministischen Kämpfe begangen. Der Kampf der Frauen* nach Freiheit und Selbstbestimmung war jedoch kein Selbstläufer. Erst 1919 gab es in Deutschland das Wahlrecht für Frauen, fast 70 Jahre dauerte es, bis Frauen alleine und ohne Zustimmung ihren Beruf frei wählen oder ein Bankkonto eröffnen durften. Und Vergewaltigung in der Ehe war noch 1997 völlig legal. Keine dieser Errungenschaften war ein Selbstläufer und zukünftige Generationen verdanken sie den Feminist*innen, die damals wie heute für gleichwertige Lebensumstände kämpfen. Nach jedem einzelnen dieser Schritte gab es Männer aber auch Frauen*, die meinten, dass es doch langsam mal reichen würde, doch der Kampf ist noch nicht ausgefochten. Noch heute können Frauen* nicht frei über ihren Körper entscheiden, verdienen 21% weniger als Männer und leisten einen großen Teil der unbezahlten Haus- Erziehungs- und Pflegearbeit. Wir stehen an der Seite der Frauen* und unterstützen sie uneingeschränkt auf dem Weg zu gleicher Bezahlung und gleicher Repräsentation, zur vollgesellschaftlichen Gleichberechtigung.

Weltweit gab es anlässlich des 8. Märzes feministische Demonstrationen und Aktionen, so auch in Hannover. Am Morgen unterstützen wir die Aktion unseres Landesverbandes, die gemeinsam mit den Sprecher*innen der GJ und der Jusos einen Infostand gestalteten. Hierfür wurden Maler*innenanzüge mit roten Handabdrücken übersäht und am Infostand getragen, während Flyer zum Thema Femizid und Gewalt an Frauen* verteilt. Ziel der Aktion war es, auf dieses blutige gesamtgesellschaftliche Problem aufmerksam zu machen und darüber aufzuklären.

Die Demonstration begann nachmittags um 14 Uhr auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof Hannover. Anfangs gab es einige Reden, dann bewegte sich der Demozug, der bis zum Königsworther Platz nur auf FLIT* Personen bestand los. Weit über 1000 Frauen* zogen mit vielen bunten Schildern und Transparenten im kreativen Protest durch die Stadt und trafen auf der Hälfte der Strecke auf solidarische Männer, die sich dem Demozug anschlossen.

Die Demo wurde begleitet von nur männlichen Polizisten, die immer wieder durch lautes Lachen und abfällige Kommentare auf sich aufmerksam machten. Nachdem einige Personen lila Nebel gezündet hatten, stürmten einige Polizisten in die Demo und zogen sehr gewalttätig eine vermummte Frau heraus, als ihr andere FLINT* zur Hilfe kommen wollten, benutzten diese Polizisten Pfefferspray. Nach der Demo wurde ebenfalls eine Frau ohne ersichtlichen Grund verhaftet.

Wir verurteilen diese Gewalt und Unverschämtheiten, die sich einige Polizisten geliefert haben. Da es keine Auflagen für die Demonstration gab, war auch das Zünden des Nebels legal, weshalb es aus rechtlicher Sicht keinen Grund für einen Eingriff gab. Wir unterstützen den Wunsch der Veranstalter*innen nach einer Entschuldigung und Aufklärung für das Verhalten der Polizisten. Selbst wenn man ein Misogyn ist und sich gegen Gleichberechtigung einsetzt, sollte man von Staatsbediensteten politische Neutralität und Verhältnismäßigkeit erwarten können. Dies war eindeutig nicht gewährleistet.

Trotzdem konnte die Demo weiter bis zu ihrem Endpunkt der Goseride laufen und dort ihre Abschlusskundgebung abhalten. Es wurden schwarze Vasen mit Blumen aufgestellt und um gemeinsam ermordeten Frauen die Femiziden zum Opfer fielen zu gedenken.